Es tut sich was im Land der unbegrenzten Effizienzfantasien: Die Behörde für Einwanderungs- und Zollvollzug (ICE) hat ein Pilotprojekt gestartet, das den amerikanischen Erfindergeist in neue Höhen katapultiert. Warum sollten staatliche Beamte mühselig Adressen verifizieren, wenn doch eine unerschöpfliche Ressource direkt vor der eigenen Haustür sitzt: gelangweilte Rentner mit ungebrochener staatstragender Abenteuerlust?

Das Projekt trägt den Namen „Bürger-Detektive“ – wie schön! – eine Art „America’s Next Top Schnüffler“. Endlich erkennt man, welch ungehobener Schatz jahrelang vor sich hin moderte: ehemalige Polizisten und Militärveteranen, die bisher darauf reduziert waren, Eichhörnchen im Vorgarten zu beobachten oder beim Golfen den eigenen Schlag zu verschätzen. Jetzt dürfen sie wieder tun, was sie am besten können: gucken, merken, melden.

Und weil Bürokratie bekanntlich der natürliche Feind des Patriotismus ist, hat man sich den Schnickschnack mit diesen lästigen Privatdetektiv-Lizenzen gespart. Wozu Papier, wenn man pure Heldenkraft haben kann? Ein Militärhintergrund ist schließlich ein Allzweckzertifikat – ungefähr so wie ein Waffenschein, aber mit emotionaler Komponente.

Für jede erfolgreich verifizierte Adresse winken 300 Dollar. Natürlich nicht als schnöder Lohn – wer käme auf so etwas? – sondern als symbolische Ermunterung, ein kleines Leckerli fürs Vaterland. Eine Art patriotisches Trinkgeld. Eine Crowdfunding-Kampagne für sichere Grenzen, bei der Rentner:innen endlich das tun dürfen, was sie im Herzen schon immer waren: Micro-Influencer der Inneren Sicherheit.

Die wichtigste Regel des Programms: „Sprich nicht mit den Nachbarn.“ Man schützt damit deren Privatsphäre. Außerdem fördert es die Tugend der stillen Observation: eine Kunstform, die seit der Erfindung des Smartphones praktisch ausgestorben war.

Klar, es gibt Menschen, die das Ganze für „gefährlich“ halten oder von „Auslagerung staatlicher Gewalt“ sprechen. Diese Bedenkenträger haben das revolutionäre Potenzial dieses Programms nicht verstanden. Es ist eine Win-Win-Win-Situation!
• Win für die Rentner: Endlich wieder Action, ein Taschengeld und das erhebende Gefühl, an der Frontlinie der Nachbarschaft zu stehen – diesmal ohne Schusswechsel.
• Win für die Steuerzahler: Warum teure Beamte bezahlen, wenn man staatsnahe Gig-Worker haben kann?
• Win für die Nation: Adressen werden überprüft. Ob danach eine Familie verschwindet oder nicht – das ist eine Fußnote, und Fußnoten liest doch eh keiner.

Wir feiern heute nicht etwa die Rückkehr des Kopfgeldjägerwesens im Seniorenformat. Nein, wir feiern den amerikanischen Pragmatismus: Wenn etwas staatlich kompliziert ist, macht man es privat improvisiert. Mögen sich viele ehemalige Helden auf LinkedIn melden, damit die Sicherheitsarchitektur der Nation weiterhin auf dem stabilsten Fundament ruht, das die USA je hervorgebracht haben: dem unbeirrbaren Enthusiasmus der Rentner.